Innenhof Schloss Schillingsfürst
Innenhof Schloss Schillingsfürst
Willkommen auf Schloss Schillingsfürst!
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Geschichte des Schlosses Schillingsfürst

Erste Erwähnung fand Schillingsfürst am 1. Mai 1000 in einer Urkunde Kaiser Ottos III., in welcher dieser einen Wildbann, der zu Burgbernheim und Leutershausen gehört, an das Hochstift Würzburg verleiht. Schillingsfürst wird in diesem Schriftstück bei der Grenzbestimmung genannt. Wenige Jahrzehnte später nennt sich bereits ein Geschlecht nach dem Ort, die von 1156 bis 1261 hier ansässig waren. Um 1260 dürfte Jutta von Schillingsfürst die letzte dieses Geschlechts gewesen sein, da die Burg zu diesem Zeitpunkt an die mit ihr verwandten Hohenlohe überging. Urkundlich nachweisbar ist das Besitztum der Hohenlohe aber erst ab 1313.

 

Die Hohenlohe sind ein fränkisches edelfreies Geschlecht, das vermutlich identisch ist mit den Herren von Pfitzingen. Stammvater ist der 1103 erstmals erwähnte Gundelo von Pfitzingen. Die gesicherte Stammfolge beginnt 1153 mit Konrad und Heinrich von Weikersheim, die in Urkunden Kaiser Friedrich Barbarossas und des Bischofs Gebhard von Würzburg als Zeugen erscheinen. Seit 1178 nennt sich die Familie nach der Burg Hohenloch in Hohlach bei Uffenheim, von der heute allerdings nichts mehr erhalten ist. Sie waren treue Vasallen der Staufer und erhielten zum Dank für ihre Dienste große Gebietserweiterungen und die wichtigsten Hoheitsrechte.


Nach dem Untergang der Staufer brachen auch für die Hohenlohe und ihr Gebiet schwere Zeiten an, die sich erst mit der Thronbesteigung Kaiser Rudolfs von Habsburg besserten, auf dessen Seite Kraft II. von Hohenlohe, der damalige Burgherr, trat. Zur Zeit der Gegenkaiser Ludwig des Bayern (1282 – 1347) und Friedrich des Schönen von Österreich (um 1286 – 1330) 1314 entschied sich Kraft II. für den Österreicher. Wegen des Erbes an den Festen Herrieden und Warberg, auf die sowohl das Bistum Eichstätt als auch Adelheid von Oeringen, Schwester Krafts II., Anspruch erhoben, kam es zu Streitigkeiten. Kraft kam seiner Schwester zu Hilfe und besetzte beide Burgen. Er widersetzte sich dem Urteil Ludwigs des Bayern die Festen zu räumen und überfiel diesen samt seiner Begleitung bei einem Durchzug des hohenloheschen Gebietes 1315. Ludwig zog deshalb mit seinem Heer nach Schillingsfürst und nach wochenlanger Belagerung, galt Schillingsfürst zu damaliger Zeit doch als uneinnehmbare Burganlage, erstürmte er die Burg am 25. April 1316 und brannte sie nieder. Sechs Jahre später trat Kraft zu Ludwig über und wurde einer seiner treuesten Anhänger, wofür er von diesem mit enormer Vergrößerung des Schillingsfürster Wildbanns belohnt wurde. Kraft vereinigte den gesamten hohenloheschen Besitz, vermehrte diesen weiter und machte dadurch sein Geschlecht zu einem der mächtigsten und geachtetsten im damaligen Reich. Nach seinem Tod 1344 fiel Schillingsfürst an seine Tochter Irmgard, eine verwitwete Gräfin von Nassau.

 

Es folgte eine Zeit des Niedergangs und der Misswirtschaft, Schillingsfürst wurde versetzt und verpfändet und hatte die verschiedensten Besitzer (Burggraf zu Nürnberg, Grafen Castell). Die Brüder Krafts IV, Ulrich und Friedrich, trieben durch ihre Schwelgerei und ihr ausschweifendes Leben das Haus Hohenlohe an den Rand des Abgrunds. Ihr Bruder Albrecht I., der in jungen Jahren in den geistlichen Stand getreten war und Propst in Mainz und Würzburg war, übernahm nach dem Tod seiner kinderlos geblie-benen Brüder das heruntergekommene Erbe. Es war sogar soweit gekommen, dass Graf Leonhard Castell 2/3 der Räume der Burg besaß, Albrecht von Hohenlohe dagegen nur 1/3. Mit größter Tatkraft widmete sich Albrecht dem Aufbau des Familienbesitzes. Nachdem das Haus Hohenlohe nur noch aus zwei männlichen Mitgliedern bestand, die noch dazu Geistliche waren und sich somit nicht vermählen durften, ersuchte der römische König Ruprecht I. selbst um päpstliche Dispensation vom geistlichen Stande für Albrecht, die ihm am 27. Juli 1409 auch gewährt wurde. Albrecht heiratete Elisabeth Gräfin von Hanau und durch ihren Sohn Kraft V. war die weitere Stammfolge des Hauses gesichert. 1424 wurde Schillingsfürst von den Hohenlohe wieder ausgelöst, 1444 übertrugen sie den Besitz an das Hochstift Würzburg und nahmen ihn als Lehen. Sie selbst belehnten Dienstmannen mit der Burghut im Vorhof. Seit dieser Zeit befindet sich das Schloss in ununterbrochener Folge bis zum heutigen Tag im Besitz des Hauses. Kraft V. wurde am 13. Mai 1450 von Kaiser Friedrich III. die Reichsgrafenwürde als Ausgleich für die bei einem Rechtsstreit mit dem Hause Hessen verlorene Grafschaft Ziegenhain verliehen.


Die zweite Zerstörung der Schillingsfürster Burg nahte im Jahr 1525. Es war die Zeit der Bauernunruhen, die zum Bauernkrieg führten. Schillingsfürst wurde damals von den Vormündern des minderjährigen Grafen Wolfgang, den Grafen Albrecht und Georg, geführt. Die beiden Grafen hatten die heraufziehende Gefahr erkannt und aus diesem Grund bereits in Grünbühl bei Neuenstein am 5. April 1525 mit den Bauern eine gütliche Vereinbarung getroffen, wobei die Bauern gegen die Herrschaft nichts unternehmen, sondern diese viel mehr noch schützen wollten. Allerdings muss dabei erwähnt werden, dass sich die Brüder nicht freiwillig dazu entschlossen, sondern von den revoltierenden Bauern zu diesem Schwur gezwungen wurden. Aus der Menge der wütenden Bauern schrie einer: „Bruder Albrecht und Bruder Georg, kommt her und gelobet den Bauern, bei ihnen als Brüder zu bleiben und nichts wider sie zu tun. Denn Ihr seid nimmer Herren, sondern Bauern, und wir sind Herren von Hohenlohe, und unseres ganzen Heeres Meinung ist, dass ihr auf unsere zwölf Artikel schwören und mit uns auf 101 Jahre zu halten auch unterschreiben sollt." Es verbreitete sich das Gerücht, dass Heinrich Graf von Schlick mit einer Truppe Böhmen von Ansbach her nach Schillingsfürst ziehen würde, um von dort aus die unruhestiftenden Bauern niederzuschlagen. Während eines Treffens der Hauptleute und Räte der Bauern wurde ursprünglich noch bestimmt, das Schloss zu verschonen. Diesen Beschluss kippte jedoch Endris Wittich aus Adolzhausen bei Niederstetten. Er wollte das Schloss stürmen, um die dort lagernde Frucht und die Waffen zu erbeuten und anschließend das Schloss niederzubrennen. Mit der List, sie hätten einen Brief an den Amtmann des Schillingsfürster Schlosses und die Schwester des Grafen zu überbringen, verschafften sich Wittich und Lutz Seyboth am 18. Mai 1525 mit Hellebarden Einlass durch das Tor, der offensichtlich nur schwach besetzten Burg. Wittich ließ Boten ins Land ausschwärmen, welche die Bauern von der Einnahme des Schlosses in Kenntnis setzen sollten und forderte sie auf nach Schillingsfürst zu kommen, um das Schloss zu plündern und niederzubrennen, was am 21. Mai 1525 geschah. Der Schaden wurde seinerzeit auf 20.000 Gulden geschätzt. Der Bauernaufstand wurde jedoch vom Schwäbischen Bund niedergeworfen und Seyboth wurde enthauptet, während Wittich aus Habgier von seinen eigenen Leuten erstochen wurde.


Das Schloss konnte an der gleichen Stelle nach dem Vorbild der zerstörten Burg wiederaufgebaut werden. Die Anlage reichte mit dem vierstöckigen Schloss an der äußersten Bergspitze, über die aus Stallungen, Scheunen und der Wohnung des Amtmannes bestehende Vorburg, die zwischen den beiden mit Zugbrücken versehenen Burggräben lag, bis zum sogenannten heutigen „Prinzessgärtchen". Die dortigen Mauern dürften noch von dieser alten Burg stammen. Die Vorburg wies an den Ecken und an den Langseiten eckige Fürme auf und wurde von dem bekannten Baumeister Heinrich Schickhardt (1558 – 1634) erbaut. Am Schloss selber war er wohl auch tätig. Der große Giebel, auf dem Merian-Stich sehr gut erkenntlich, dürfte unter seiner Bauleitung entstanden sein. Die Gebäude des Schlosses gruppierten sich um einen unregelmäßigen Hof. Das erste und zweite Stockwerk der Burg war mit Wirtschaftsräumen, der Küche und Gesindestuben belegt, während die Wohnräume der gräflichen Familie und der Festsaal in der dritten und vierten Etage lagen. Die dortigen relativ kleinen Zimmer hatten nur je eine Feuerstelle auf jeder Etage, was das Wohnen im Winter sicherlich nicht sehr gemütlich werden ließ. Eine sehr gute Vorstellung dieser Burg erhält man durch den bekannten Stich von Matthäus Merian. Der Südhang des Schlossberges wurde als Weinberg genutzt. Dieser Wein war aber dermaßen herb und sauer, trocken wäre sicherlich untertrieben, dass er wohl lediglich als Deputatwein genutzt wurde.

Der im Jahr 1551 erfolgte Tod der Brüder Albrecht III. und Georg I. war der Anlass zur hohenloheschen Hauptlandesteilung 1553 unter Georgs Söhnen Ludwig Kasimir, Eberhard und Georg II. Georg II. (1544 – 1554) hätte die 1545 erloschene Linie Schillingsfürst-Weikersheim wieder neu beleben sollen, doch starb er während der Teilungsverhandlungen erst zehnjährig an der Pest, was dieses Vorhaben nicht zur Ausführung kommen ließ. Sein plötzlicher Tod erforderte eine erneute Teilung unter den beiden verbliebenen Brüdern im Jahr 1555. Ludwig Kasimir stiftete die Hauptlinie Hohenlohe-Neuenstein, die heute noch in den protestantischen Zweigen Langenburg und Oehringen blüht, während Eberhard die Hauptlinie Hohenlohe-Waldenburg gründete, die noch heute aus den Zweigen Bartenstein, Jagstberg, Waldenburg, Ratibor und Schillingsfürst besteht. Diese Hauptlinie wurde 1667 durch die Konversion der Brüder Christian und Ludwig Gustav katholisch.

Bereits Krafts V. Sohn Gottfried (1472 – 1497) gründete 1472 eine Linie Schillingsfürst-Weikersheim. Ihm folgten Johann, (1490 – 1509) und Wolfgang (1532 – 1545), der als erster Hohenlohe 1541 zur Reformation neigte und mit gottesdienstlichen Einrichtungen und evangelischen Pfarrern den Anfang machte. Mit seinem Tod erlischt diese Linie und fällt zurück an Georg I.
Der Bruder Georgs IL, Eberhard, trat als nächster das Schillingsfürster Erbe an. Bei der sogenannten "Waldenburger Fastnacht" 1570 kam er auf tragische Weise ums Leben. Auf Schloss Waldenburg wurde die Fastnacht auf das Prachtvollste gefeiert. Die Damen waren als Engel verkleidet und trugen brennende Kerzen auf Papierkronen. Die Herren erschienen als Teufel und Dämonen. Eines der Kostüme fing plötzlich Feuer und die Flammen schlugen so schnell um sich, dass innerhalb weniger Augenblicke mehrere Gäste wie lebendige Fackeln brannten. Mutig versuchte Graf Eberhard das Feuer zu löschen und erlitt dabei so schwere Brandverletzungen, dass er wenig später daran im Alter von erst 34 Jahren verstarb.
Als Regenten folgen Graf Georg Friedrich I. (1562 – 1600) und Graf Georg Friedrich II. (1595 – 1635), der 1615 der Stifter der Linie Schillingsfürst war und bis zu diesem Jahr gemeinsam mit seinen Brüdern Ludwig Eberhard und Philipp Heinrich regierte. Ludwig Eberhard wurde der Stifter der Linie Pfedelbach, die 1728 erlosch, und Philipp Heinrich stiftete die alte Linie Waldenburg, die 1679 ausstarb.


Während des 30-jährigen Krieges wandte sich das Haus Hohenlohe in der Person des Grafen Georg Friedrich zu Hohenlohe-Weikersheim (1569 – 1647), der Angehöriger des böhmischen Landstandes war, gegen den Kaiser. Nach Verlusten bei Feldzügen und besonders nach der katastrophalen Niederlage bei der Schlacht am Weißen Berg verhielten sich die Hohenlohe neutral. Dank des guten Verhältnisses zu Wallenstein konnte man sich einer Parteinahme verwehren. Als 1630 König Gustav II. Adolf von Schweden in den Krieg eingriff, forderte dieser die Grafen Hohenlohe auf, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Die Grafen stellten sich an die Seite Gustav Adolfs. Ein großer Anreiz dafür waren sicherlich aber auch die umfangreichen Gebietsschenkungen des Schweden an die Hohenlohe.


1632 drohte Arbogast von Andlaw, Kapitän des kaiserlich Pappenheim'schen Regiments, mit seinen kroatischen Söldnern Schillingsfürst einzunehmen. Als seine unerhörten Forderungen nicht erfüllt werden konnten, besetzte er das Schloss. Den Grafen war es nicht mehr möglich gewesen rechtzeitig eine Verteidigungsmannschaft für das Schloss aufzustellen. Am 18. Juli 1632 brach Graf Kraft zu Hohenlohe-Neuenstein mit einem Teil der hohenloheschen Landmiliz, die aus ungefähr 800 Bauern bestand, in Richtung Schillingsfürst auf. Als Arbogast von Andlaw davon erfuhr, ließ er das Schloss plündern. In den Kellern ging man bis zu den Knien im Wein, nachdem die Kroaten die Böden aus den Fässern geschlagen hatten. Das Schloss wurde in Brand gesteckt, wobei die Hälfte der Schlossanlage in Schutt und Asche sank. Auch vor dem Ort Frankenheim wurde nicht Halt gemacht. Die Kroaten hausten, plünderten und brandschatzten auf das Übelste. Heinrich Schickhardt wurde mit der Neuplanung des Schlossbaus beauftragt, doch kam es zu keiner nennenswerten Bautätigkeit. Sein Tod 1634 dürfte sie verhindert haben.
Graf Georg Friedrich II. verstarb 1635 im Alter von erst 40 Jahren und hinterließ seine willensstarke Witwe Dorothee Sophie und 15 unmündige Kinder. Die Gräfin ließ die baufällige Schlossruine nur notdürftigst instandsetzen, denn an einen Wiederaufbau des Schlosses war durch die katastrophale wirtschaftliche Nachkriegslage nicht zu denken. Das Land und seine Bevölkerung waren durch die Drangsale des Krieges verarmt und ausgesogen. Die Gräfin war eine Anhängerin der calvinistischen Glaubenslehre und erzog auch ihre Kinder dementsprechend. Im Jahr 1651 ließ sie eine reformierte Kapelle im Schloss errichten und versuchte mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln den Calvinismus in der Grafschaft einzuführen, was ihr eine Anklage durch ihre evangelischen Verwandten vor dem Reichskammergericht in Speyer eintrug.

Nach ihrem Tod 1660 gelangten ihre beiden Söhne Christian und Ludwig Gustav zur gemeinsamen Regierung. Sie ließen die noch verbliebenen Türme des immer baufälliger werdenden Schlosses abreißen und bauten von 1660 bis 1664 ein Vorhofgebäude samt einer Kapelle auf dem Gelände des heutigen Rondells. Die beiden Brüder verheirateten sich mit den Schwestern Luzia und Marie Gräfinnen von Hatzfeldt und konvertierten 1667 zu deren katholischem Glauben. Die Kapelle in der Vorburg wurde zu einer katholischen Schlosskapelle umgewandelt. Graf Christian bemühte sich um Vergrößerung seiner Gemeinde und erhielt aus Dinkelsbühl einen Franziskanermönch zur Betreuung. Die katholische Pfarrei wurde 1668 gegründet und 1683 wurde das Franziskanerkloster im unterhalb des Schlossberges gelegenen Frankenheim eingeweiht. Die Gruft der gräflichen Familie befand sich bis zum Bau des Mausoleums im Jahr 1891 in der Klosterkirche, womit die bisherige Gruft in der Friedhofskapelle ausgedient hatte. Die eigentliche Pfarrkirche jedoch blieb die Kapelle im Schloss. Die gemeinsame Regierung der Brüder dauerte bis zum 22. April 1688. Philipp Karl, der Sohn des bereits 1675 verstorbenen Grafen Christian, führte die von seinem Vater begründete Linie Hohenlohe-Bartenstein fort, während Ludwig Gustav der Begründer der Linie Hohenlohe-Schillingsfürst war.

Durch die hohenloheschen Hauptlandesteilung von 1553 und durch die Zersplitterung in weitere Nebenlinien (Hohenlohe-Langenburg, -Kirchberg, -Ingelfingen, -Oehringen, -Weikersheim, -Schillingsfürst, -Bartenstein, -Pfedelbach) wurde die bereits durch die verschiedenen Kriege geschwächte Herrschaft noch mehr ihrer Macht beraubt. Trotz dieses Machtverlustes gelangten verschiedene Mitglieder des Hauses rasch wieder zu Vermögen und Ansehen, was dem Grafen Philipp Ernst im Jahre 1744 die Erhebung in den erblichen Reichsfürstenstand eintrug und 1757 die Erhebung der Grafschaft in ein Reichsfürstentum nach sich zog. Mit dem Anstieg von Macht und Würde ließ sich der ruinöse Zustand des Schlosses nicht vereinbaren und auch weil Philipp Ernst den Hof seines Vetters in Öhringen an Glanz übertreffen wollte, entschied er sich zum Neubau eines Schlosses.
Bereits sein Vater Ludwig Gustav trug sich 1658 mit dem Gedanken eines Schlossneubaus. Aus dieser Zeit wird von einem Vorschlag zu einem „Neuen Bau von dem hochgräflichen Haus" von Baumeister Michael Knaudt berichtet und 1680 wurde darüber mit dem Dinkelsbühler Maurer Antony Toy ein Bauvertrag vereinbart, wobei ausgeschlossen werden darf, dass es tatsächlich zu größeren Bautätigkeiten kam. Diese haben wesentlich später begonnen, da erste Baurechnungen in der Zeit von 1696 bis 1705 genannt werden und 1698 Baumeister Joseph Greising in einem Schreiben mit dem Weggang von Würzburg droht, wo er am Hof des dortigen Bischofs beschäftigt war, zu dem die katholischen Hohenlohe stets enge Beziehungen unterhielten. Auf Greising gehen wahrscheinlich das Kellersockel- und das Erdgeschoß des Schlosses zurück. Gleichzeitig werden im Bauvertrag auch Ausgaben für Gartenarbeiten erwähnt. Es darf angenommen werden, dass es sich hierbei um den rechteckigen im französischen Stil angelegten Hofgarten mit seinem ihn an drei Seiten umgebenden Kanal, der sich teilweise noch erhalten hat, den akkuraten Hecken und den regelmäßig durchquerenden Alleen gehandelt hat.


Mit großer Wahrscheinlichkeit war der Spanische Erbfolgekrieg (1701 – 1714) und eine Arretierung des Bauherrn in Wien wegen hoher Verschuldung von 1704 bis 1706 der Anlaß zur Einstellung der bisher durchgeführten Bauarbeiten. Durch seinen Gastaufenthalt von 1714 bis 1718 beim spanischen König Philipp V. und eine Reise nach Portugal hatte Graf Philipp Ernst Gefallen am Palais des Grafen Alberoni in Madrid gefunden, was die gänzliche Beendigung für die baulichen Tätigkeiten in Schillingsfürst bedeutete. Wie aus einer Akte von 1722 hervorgeht, lieferte der Baumeister Johann Wolfgang Feichtmeyer aus Mergentheim Pläne, deren Ausführung vom Bauherrn jedoch nicht gebilligt wurde. Der Graf engagierte deshalb 1723 den Darmstädter Hofbaumeister Louis Remy de la Fosse und ließ durch ihn seine geänderten Wünsche und Vorstellungen nach dem spanischen Vorbild in die Wirklichkeit umsetzen. Dieser allerdings verstarb schon drei Jahre später. Es wurden nun 27 lange Jahre von 1723 bis 1750 an dem Schloss gebaut. Die Bauarbeiten dürften 1740 bereits zum größten Feil vollendet gewesen sein, doch erfolgte die endgültige Fertigstellung erst zehn Jahre später. Rechnungen haben sich aus dieser Zeit keine erhalten. Was mit den Rechnungen geschah, kann heute leider nicht mehr nachvollzogen werden. Der gewaltige Schlossbau übertraf allerdings den Inhalt des Geldsäckels des mittlerweilen in den Fürstenstand erhobenen Schlossherrn bei weitem. Das war auch der Grund, weshalb das Schloss zwar 1750 äußerlich fertiggestellt war, aber im Inneren in vielen Bereichen noch für lange Zeit ein Rohbau blieb. Das Schloss war wenig möbliert und auch an sonstiger Einrichtung dürfte es gemangelt haben. Von Fürst Karl Albrecht I., dem Sohn Philipp Emsts, wird gesagt, er habe in Ruinen und leeren Zimmern gelebt.


Um 1733 wurde auch der vor dem Schlossareal gelegene Gutshof samt Zehntscheune gebaut. In diese Zeit (um 1702) fiel auch der Bau des oberhalb Stilzendorfs gelegenen Wasserturms, der für die Wasserversorgung des Schlosses und der fürstlichen Brauerei bis zum Bau der Wasserleitung im Jahr 1902 zuständig war. Mittels eines Ochsentretwerkes wurde das Wasser vom Turm zum Schloss gepumpt. Diese heute einmalige technische Einrichtung hat sich erhalten und kann in dem als Museum eingerichteten Wasserturm neben bäuerlichen Gerätschaften und Zeugnissen der Wohnkultur der damaligen Zeit besichtigt werden. Zur Versorgung der Hofhaltung gehörte auch das fürstliche Fischhaus an der Straße von Schillingsfürst nach Dombühl mit seinen unterirdischen Fischbecken und dem benachbarten Weiher, der heute als Badesee dient.

Es folgte die Regierungszeit des Fürsten Karl Albrecht I. Der Fürst ließ mit der Anlage der Stadt Neu-Frankenheim auf dem Bergrücken hinter dem Gutshof beginnen. Zu diesem Zweck ließ der Fürst im Jahr 1757 ein Flugblatt mit 13 Inhaltspunkten von Straßburg über Bamberg, Frankfurt, Köln, Erfurt und zahlreiche weitere deutsche Städte verbreiten. In diesem Flugblatt sicherte er den Neubürgern, besonders Handwerkern wie Strumpfwebern, Messerschmieden, Geigenmachern, Gerbern u.a., Freizügigkeit, Bauholz sowie Steuerfreiheit bis ins dritte Glied zu. Diese neuangelegte Siedlung wurde nach ihrem Gründer „Carlsstadt" sowie eine der beiden dort entlang führenden Straßen, die Hauptstraße, Carlstraße genannt.
Am Ende dieser Straße stand ein kleiner barocker Bau, das sogenannte Salmschlösschen mit einer eigenen Kapelle. Das Schlösschen wurde von der Witwe des Fürsten Karl Albrecht, der Fürstin Josephe, geborene Prinzessin zu Salm-Salm, von der es auch seinen Namen erhielt, bewohnt. Durch den Neubau des Mädcheninstituts wurde es leider in den Jahren 1964/65 abgerissen.


Die zugezogenen Handwerker waren im wirtschaftlich schwachen Schillingsfürst recht erfolglos und der Zustrom der Neusiedler hörte auf. Der Fürst entschloss sich daher, völlig mittellose Siedler aufzunehmen, die weiter östlich der Carlsstadt angesiedelt wurden. Die Herkunft, die Vermögensverhältnisse und der Leumund der Neubürger interessierte die Regierung nicht. Einzige einzuhaltende Bedingung war, dass sie Anhänger der katholischen Glaubenslehre seien bzw. gewillt waren, diese anzunehmen. Aus diesen Gründen befanden sich unter den Zugezogenen nicht nur ehrenwerte Bürger, sondern vor allem auch sehr viel obdachloses Volk und ziehende Händler, die durch die Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges ihre osteuropäische Heimat verlassen mussten. Diese Leute brachten nicht nur eine teilweise obskure Herkunft mit, sondern auch das Rotwelsch, das sie selber „Jenisch" nannten. Diese Gauner-und Geheimsprache war in früheren Zeiten in Schillingsfürst weitverbreitet, doch können sie heute im Ort nur mehr sehr wenige Menschen verstehen, geschweige denn sprechen. Die meisten dieser Leute kamen arm und besitzlos und blieben es auch. Da die südosteuropäischen Namen der Neusiedler für die damaligen Schillingsfürster nicht auszusprechen waren, hat man ihnen kurzerhand Tiernamen, wie beispielsweise Bär oder Fuchs, verpasst, und es gibt noch heute in der Stadt einige Familien, die diese Nachnamen führen und somit ihre Herkunft von diesen „Jenischen" ableiten können.
Karl Albrecht I. ließ als Jesuitenkollegium das Haus erbauen, in welchem sich später das fürstliche Herrschaftsgericht befand. Nach der Mediatisierung wurde es 1810 ein Königlich Bayerisches Landgericht, nachdem Fürst Franz seine herrschaftliche Gerichtsbarkeit an den Staat abgetreten hatte und für 20.000 Gulden das Gebäude für die gewünschten Erfordernisse hatte umbauen lassen. 1879 erfolgte die Herabstufung zu einem Amtsgericht und im Januar 1928 wurde es endgültig aufgelöst. Heute befindet sich die Ludwig Doerfler-Galerie im ehemaligen Gerichtsgebäude. Karl Albrecht I. beorderte die Jesuiten, da die seit 1670 in Schillingsfürst anwesenden Franziskaner anhand ihrer Ordensregeln die Persönlichkeiten nicht hervorbrachten, die er sich besonders für die Erziehung der adeligen Jugend wünschte. Als eigentlicher Zweck der Zuziehung der Jesuiten darf jedoch die Intensivierung einer verspäteten und daher wirkungslosen Gegenreformation angesehen werden. Neben der Versehung des Gottesdienstes in der Schlosskapelle oblag den Jesuiten als weitere Hauptaufgabe die Unterrichtung der männlichen aristokratischen Jugend. Große Bedeutung wurde dem Erlernen der französischen Sprache, der damaligen Umgangssprache an sämtlichen Höfen, der Mathematik und der Philosophie beigemessen.

In Schillingsfürst wurde auch das Theaterspiel sehr geschätzt. Zu diesem Zweck wurde ein Nebengebäude des Jesuitenkollegs als Hoftheater errichtet. Hier hatten die Zöglinge französische Stücke vor den adeligen Eltern aufzuführen. Das geistige Leben in Schillingsfürst wurde nicht nur sehr hart getroffen, sondern kam nahezu zum Erliegen, als der Jesuitenorden durch ein Dekret Kaiser Josephs II. 1773 aufgehoben wurde. Es kamen die Franziskaner wieder, welche bei der Bevölkerung mehr Ansehen genossen und beliebter als ihre Vorgänger waren.

Im Jahr 1789 waren die Auswirkungen der französischen Revolution auch bis nach Hohenlohe zu spüren. Die hohenloheschen Fürsten nahmen ihre französischen Standesgenossen mit offenen Armen auf und boten ihnen Asyl in ihren Residenzen, was ein erneutes Aufblühen des Hoflebens mit Opern- und Theateraufführungen, großen Festen, Gesellschaften und Jagden mit sich brachte. Zur Unterstützung der französischen Gegenrevolution wurde aus französischen Emigranten und angeworbenen Söldnern die nach dem Grafen Mirabeau benannte „Legion Mirabeau" aufgestellt. Auf Vorschlag des Prinzen Conde wurde diese Legion als Hohenlohe'sches Truppenkorps erklärt und es wurden 1792 aufgrund der Initiative der Linien Bartenstein und Schillingsfürst noch zwei weitere Regimenter aufgestellt. Die Legion zog nach Schillingsfürst und Bartenstein, wo je ein Jägerregiment, mit einer Truppen-stärke von jeweils 2000 Mann angeworben wurde. Als Kaserne diente ein Gebäude des herrschaftlichen Gutshofs, in dem sich heute des Schlosscafe befindet. Unter dem Befehl des Prinzen Karl Joseph zu Hohenlohe-Bartenstein kämpften die Soldaten auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen Europas. Aus den Resten dieses Regiments ging später die berühmt gewordene französische Fremdenlegion hervor.


Fürst Karl Albrecht I. war ein gutmütiger Regent und ein hochintelligenter Mensch, der schon zwei Tage vor seinem 16. Geburtstag den Doktortitel der Philosophie erlangte. Er war ein ruheloser und von ständiger Umtriebigkeit erfasster Landesherr, der viel auf Reisen war, die ihn auch oft nach Wien führten. Mit Aristokraten und Päpsten betrieb er eine außergewöhnlich geistreiche Korrespondenz, die sich mit politischen und kirchlichen Angelegenheiten befasste. Seine Briefe verfasste er überwiegend in französisch, einer Sprache, die er gewandt und fein beherrschte. 1763 ließ er eine katholische Bibelübersetzung herausgeben, was für die damalige Zeit eine Rarität bedeutete. Die Waldenburger Schlosskirche ließ er von 1791 bis 1793 erbauen. Die Gabe, seine Besitzungen gewinnbringend zu führen, fehlte ihm jedoch völlig. Er war in gewisser Weise ein Verschwender, was aber mit seiner Gutmütigkeit und Men-schenfreundlichkeit begründet werden darf.


In seinen letzten Lebensjahren wohnte der gutmütige Fürst völlig verarmt und einsam auf Schloss Schillingsfürst. Das Alleinsein trieb ihn dazu, die meiste Zeit des Tages aus den zahlreichen Fenstern seines Schlosses zu sehen, was ihm den Spitznamen „Fenstergucker" eintrug. Erspähte er dabei schon von weitem einen Wanderer auf der staubigen Landstraße, so ging er ihm entgegen, plauderte mit dem Reisenden und schenkte diesem etwas von dem, was er gerade in seinen Taschen trug. Enthielten diese nichts Wertvolles mehr oder waren sie leer, so konnte es vorkommen, dass er seinen Rock auszog, diesen dem Fremden schenkte und zufrieden in seiner Weste zurück ins Schloss ging. Auf einer Jagd beim Fürsten Oettingen-Wallerstein geschah es einmal, dass er dessen Hofjäger seine einzige und letzte Taschenuhr, die er noch besaß, schenkte. Diese große Freude am Geben und Schenken ließ ihn vielleicht das böse eheliche Joch, das er mit seiner zweiten Gemahlin, Josephe, auferlegt bekommen hatte, leichter ertragen. Nach nur eintägiger Krankheit verstarb er 1793 völlig unerwartet. Für die außerordentlich hohen geistigen Gaben des Fürsten war der ihm zur Verfügung stehende Wirkungskreis zu eng und seine ökonomischen Verhältnisse hemmten ihn zeitlebens zu größeren Aufgaben zu finden, was ihn aber nie davon abhielt, Freundlichkeit gegen jedermann und größte Wohltätigkeit walten zu lassen.
1803 wurde des Schillingsfürster Franziskanerkloster durch die Säkularisation aufgehoben und Pater Kirst wurde Pfarrer an der Schlosskirche. Die Klosterkirche wurde 1825 zur katholischen Pfarrkirche umgewandelt. Bedingt durch die Rheinbundakte von 1806 erfolgte die Mediatisierung, was den Verlust der Reichsunmittelbarkeit und die mir ihr verbundenen eigenständigen Hoheitsgewalten für die verschiedensten Fürstenhäuser, so auch Hohenlohe, bedeutete, die sich nicht in der Gunst Napoleons befanden. Napoleons Günstlinge dagegen wurden mit Rangerhöhungen und Gebietserweiterungen belohnt. Der überwiegende Feil des hohenloheschen Gebietes fiel als größtes weltliches Gebiet an das Königreich Württemberg, die Ämter Kirchberg und Schillingsfürst dagegen kamen an das Königreich Bayern, das im August 1806 die Einverleibung dieser beiden Herrschaften aussprach. Durch Gebietsveränderungen fiel Kirchberg im Jahr 1810 an Württemberg. Durch diesen Verlust der Selbständigkeit ging das eigene Militär, die Regierung, das Gericht und die Einnähme der meisten Steuern und Zölle verloren. Das gesellschaftliche Leben in Schillingsfürst erlosch. Es gab keine Offiziere mehr und die Zahl der Beamten und Bediensteten sank enorm.


Noch stiller wurde es im Ort, als am 5. April 1807 Fürst Karl Albrecht III. die Herrschaft Schillingsfürst an seinen Bruder Franz abtrat und selber die Herrschaft
Waldenburg übernahm. Fürst Franz verlegte den fürstlichen Hof für zehn Jahre nach Schloss Corvey im Weserbergland und der ehemalige Residenzort Schillingsfürst versank in die Bedeutungslosigkeit eines kleinen verschlafenen Landstädtchens, was besonders für die Zeit zwischen 1820-1840 einen Anstieg der Armut mit sich brachte, denn auch die Aufträge des Hofes an die örtlichen Handwerker blieben aus. Die Zeiten, da die wirtschaftliche Entwicklung Schillingsfürsts auf das Engste mit dem Wohl des Fürstenhauses verbunden war, gehörten nun endgültig der Vergangenheit an. Einer Vergangenheit, die man heute so gerne als die gute alte Zeit bezeichnet, die aber so gut nicht immer war.

Es darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass die Untertanen ihren Fürsten stets sehr ergeben waren, schließlich wurde die Bevölkerung Hohenlohes im Gegensatz zu anderen Herrschaftsbereichen von ihren Fürsten am wenigsten gedrückt und auch die Leibeigenschaft war hier, wie überhaupt im deutschen Südwesten bei weitem weniger belastend und auszehrend als beispielsweise im Osten Deutschlands. Vor allem fand die Bauernbefreiung in Hohenlohe schon sehr viel früher als anderswo statt. Bereits nach der Reformation wurde jeder, der eine einmalige Zahlung von 10 Gulden leistete, aus der Leibeigenschaft entlassen und in den 1630er Jahren wurde sie schließlich ganz aufgehoben. In den habsburgischen Landen fiel sie 1781, in Preußen 1810 und im russischen Zarenreich gar erst 1861.

Auch die Rückkehr des Fürsten Franz und seiner Familie aus Corvey änderte nichts an der katastrophalen wirtschaftlichen Lage der Herrschaft Schillingsfürst. Die durch die Mediatisierung bedingte schlechte finanzielle Situation war zu groß. Der volksnahe Fürst Franz, der mit seiner Familie in den einfachsten Verhältnissen lebte, ging selbst mit seinen Knechten und Mägden hinaus auf die Felder, um mit Sense und Rechen bei der Feldarbeit zu helfen. Er erfuhr finanzielle Unterstützung durch den mit seiner Schwester Fherese vermählten Grafen Moritz von Fries, der ihm die Mittel zur Errichtung der fürstlichen Brauerei im Gutshof zur Verfügung stellte. Das Bier, von dem Carl Julius Weber Anfang des 19. Jahrhunderts in seinen fränkischen Reisebeschreibungen schrieb, es sei ein sehr wohlschmeckendes, kann heute leider nicht mehr genossen werden, da die Brauerei bereits 1929/30 geschlossen wurde.

Prinz Alexander zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst (1794 – 1849), ein Bruder des Fürsten Franz, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Dieser Prinz trat in den geistlichen Stand und erregte besonders im Jahr 1821 durch seine öffentlichen Heilungen Kranker durch Gebete allergrößtes Interesse. Die Gläubigen und Kranken liefen ihm zu tausenden zu, besonders während seiner Zeit als Domherr zu Bamberg. Der Kirche ging das alles zu weit und als auch dem Prinzen das Aufsehen mehr und mehr über den Kopf wuchs, zog er sich in die ungarische Heimat seiner Mutter zurück. Dort wurde er 1829 Großpropst zu Großwardein, Abt von St. Michael von Gaborjan und 1847 Titularbischof von Sardica.


Erst durch die Verheiratung des Fürsten Chlodwig (1819 – 1901), des späteren Reichskanzlers, mit Prinzessin Marie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg verbesserte sich die finanzielle Lage der Familie. An Baudenkmälern geht in Schillingsfürst lediglich das Mausoleum auf den Reichskanzler zurück, welches er errichten ließ. An seine Gemahlin, die Fürstin Marie, erinnert heute noch der nach ihr benannte Marienhof.
Auf dem Marienhof befand sich seit 1852 eine Beschäftigungsanstalt für Knaben beider Konfessionen, die bis zum 1. Oktober 1873 bestand und auf Wunsch des Kardinals Gustav Adolf zu Hohenlohe-Schillingsfürst, der sich in diesen Jahren Schillingsfürst aufhielt, aufgelöst wurde. Der Grund seines längeren Schillingsfürster Aufenthaltes war, dass er auf dem Ersten Vatikanischen Konzil 1870 im Kreise der Kardinäle einer der Gegner des päpstlichen Unfehlbarkeitsdogmas war und sich dadurch den Unmut Pius' IX. zugezogen hatte. In Schillingsfürst hatte er nun vor, eine Rettungsanstalt für Mädchen zu gründen, was jedoch nicht bewerkstelligt wurde. 1873 übergab der Kardinal das Salmschlösschen mitsamt einigen benachbarten Gebäuden dem Orden der Armen Schulschwestern und gründete ein Internationales Mädchenerziehungsinstitut aus dem in den späteren Jahren eine weithin bekannte Schulanstalt mit Internat wurde. Vor einigen Jahren haben die letzten Schulschwestern Schillingsfürst verlassen, das Internat wurde geschlossen und die Schule existiert nur mehr als Mädchentagesrealschule. Ein weiterer Wunsch des Kardinals war es, eine Lateinschule für Knaben zu errichten. Lediglich der Turm, der sogenannte Kardinals- oder Gärtnerturm, wurde hierzu erbaut, während die beiden Seitenflügel nie errichtet wurden. Gärtnerturm wird er deswegen genannt, da sich in ihm jahrzehntelang die Wohnung des fürstlichen Hofgärtners befand. Um eine Art Hausindustrie zu gründen, richtete der Kardinal eine Korbflechterei ein. Landwirtschaftlich betätigte er sich ebenfalls, indem er in Schillingsfürst und Obergailnau Bauernhöfe führte.
Der Kardinalsgarten, der neben dem Hofgarten am Kanal liegt, erinnert ebenfalls an den Bruder des Reichskanzlers, der ein enger Freund und Förderer des Komponisten und Klaviervirtuosen Franz Liszt war. Liszt weilte oft als Gast der fürstlichen Familie im Schloss, wo sogar noch ein Flügel steht, auf dem der Komponist gespielt haben soll. Als Zeichen der Verehrung und der Freundschaft ließ Gustav Adolf im Kardinalsgarten ein Denkmal mit der bronzenen Büste des Künstlers aufstellen, die im Laufe der Jahrzehnte oxidierte und in Schillingsfürst heute einfach nur der „Schwarze Mann" genannt wird.
Prinzessin Elisabeth zu Salm-Horstmar, eine Schwester des Reichskanzlers und des Kardinals, gründete 1857 eine Anstalt für erziehungsbedürftige evangelische Mädchen, das Elisenstift. Sie ließ es 1864 um ein Pfründehaus erweitern, um alten und kranken Menschen des evangelischen und des katholischen Glaubens Heimat und Pflege bieten zu können. Diese Gründung existiert noch heute als Altersheim in Schillingsfürst und wird im Volksmund noch immer Elisenstift genannt.

Nach dem Tod des Fürsten Chlodwig folgten als seine Nachfolger 1901 sein Sohn Philipp Ernst und 1915 sein Sohn Moritz. Fürst Franz Josef, ein hervorragender Genealoge, folgte 1940 seinem Vater Moritz als Besitzer der Standesherrschaft Schillingsfürst.

Zur Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde das Schloss Anfang April 1945 von der Waffen-SS unter Generalleutnant Max Simon beschlagnahmt, nachdem Rothenburg ob der Tauber bombardiert worden war und ihm die Aufrechterhaltung des Hauptquartiers in der Stadt als zu gefährlich erschien. Die fürstliche Familie war den Schikanen der SS-Angehörigen ausgesetzt, aber das erschütterndste Ereignis, das sich zu dieser Zeit im Schloss abspielte, war die Verhängung der Todesurteile gegen die „Männer von Brettheim", die dadurch traurige Berühmtheit erlangten. Ein Bauer aus dem in der ehemaligen Rothenburger Landwehr gelegenen württembergischen Dorf Brettheim hatte Hitlerjungen Panzerfäuste, mit denen diese das Dorf vor den heranrückenden amerikanischen Truppen verteidigen sollten, abgenommen. Der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter weigerten sich, das gegen den Bauern verhängte Todesurteil zu unterzeichnen, worauf alle drei ins Schillingsfürster Schloss gebracht wurden, wo im Blauen Zimmer am 10. April 1945 das Todesurteil gegen sie verhängt wurde. Noch am selben Abend wurden sie an den Brettheimer Friedhofslinden von der SS erhängt.

Während des Zweiten Weltkriegs war das Schloss lediglich zu Kriegsende im April 1945 durch den Beschuss amerikanischer Panzer bedroht. Die Amerikaner standen drei Kilometer Luftlinie nördlich von Schillingsfürst im Dorf Faulenberg und richteten die Kanonen ihrer Panzer auf das Schloss und die Stadt. Ein Warnschuss traf die Nordfassade des Schlosses und bis zur Restaurierung dieser Außenfassade vor einigen Jahren (1990-1998) war dieser Einschuss noch deutlich zu sehen. Es ist dem beherzten Eingreifen der Fürstin Aglaie sowie der Rotkreuz-Schwester Johanna Lößlein, die im Besitz eines Schweizer Passes war, zu verdanken, dass eine totale Beschießung Schillingsfürsts unterblieb, indem sie weiße Tischtücher aus den Fenstern des Schlosses hängen ließen. Nach Ende des Krieges war das Schloss bis unter das Dach belegt mit Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten. Besonders adelige Verwandte und Freunde, die im Osten ihre Schlösser und Güter hatten verlassen müssen, fanden in Schillingsfürst Aufnahme und vorübergehend eine neue Heimat.
Vor allem durch die Verwendung des sehr weichen Gailnauer Schilfsandsteins beim Schlossbau im 18. Jahrhundert und bedingt durch die heutige Luftverschmutzung leidet die Außenfassade des Schillingsfürster Schlosses enorm. Die Restaurierung war der Wunsch des Fürsten Franz Josef zu Hohenlohe-Schillingsfürst und aus diesem Grund laufen seit 1965 umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen unter großem finanziellem Aufwand durch das Fürstliche Haus. Auch die beiden Treppenhäuser wurden seinerzeit restauriert. Doch nicht nur allein private Mittel werden zur Restaurierung der Fassaden und der Innenräume aufgewendet, sondern auch der Freistaat Bayern, der Bezirk Mittelfranken, der Landkreis Ansbach sowie die Stadt Schillingsfürst stehen als Geber öffentlicher Gelder zur Verfügung. Als Fürst Franz Josef im Januar 1970 verstarb, folgte ihm sein Sohn Karl Albrecht und nach dessen Tod im Oktober 2005 der Ururenkel des Bruders des Reichskanzlers, Constantin, als 12. Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst.

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