Billard-Salon

 

Im Billard-Salon ein schön geschnitzter Billardtisch des Hauses Schleiffer aus Straßburg mit dem fürstlich Hohenlohe'schen Wappen, zwei nach links schreitenden Leoparden. Umrahmt wird das Wappen von einem Spruchband mit dem Motto des Hauses Hohenlohe „Ex flammis orior". Bildlich dargestellt wird dieses Motto an und in zahlreichen Hohenlohe'schen Schlössern durch den Vogel Phoenix, der sich, aus den Flammen emporhebend, erneuert. Sicherlich wurde der Billardtisch vom Fürsten Chlodwig während seiner Dienstzeit als Statthalter für die Reichslande Elsass-Lothringen in Straßburg erworben. Die Decke auf dem Tisch ist eine türkische Silberstickarbeit, um 1700.

An der rückseitigen Wand ein Gobelin aus Flandern mit den verschlungenen und von zwei Frauen gehaltenen Monogrammen MAOW und PEHS, welche wieder auf den Schloßerbauer und seine Gemahlin verweisen. Der Gobelin war demnach eine Auftragsarbeit, die speziell für das Schillingsfürster Schloss gefertigt wurde (nach 1719). Unterhalb des Wandteppichs zwei schöne mit einer Gobelinstickerei bezogene Sessel. Links in der außergewöhnlichen Glasvitrine fallen ein Elfenbein-Schachspiel aus Siam, dem heutigen Thailand, sowie verschiedene Gläser mit gräflich Hohenlohe'schen Wappendarstellungen auf. Die blaue Vase auf dem Kachelofen unter dem stuckierten Baldachin stammt aus dem 18. Jahrhundert und kommt aus China.

Auf dem rechten Gemälde ist Dominique V. Fürst von Radziwill (1786-1813), der Großvater mütterlicherseits der Fürstin Marie, zu sehen. Er starb 27-jährig an einer bei der Schlacht von Hanau im Jahre 1813 während der Befreiungskriege erlittenen Verwundung. Maler dieses Bildnisses war Bogdanowitsch. Fürst Radziwill besaß ursprünglich in Weißrußland, Litauen und Russisch-Polen gewaltige Besitzungen, die ihm von Zar Alexander 1. entzogen wurden und an seine Tochter Stephanie fielen. Diese Ländereien beliefen sich auf die Größe von 12.000 qkm, was ungefähr der Größe von Oberösterreich entspricht. Stephanie heiratete den Fürsten Ludwig Adolf Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, deren Ehe Marie, die spätere Reichskanzlergemahlin entstammte. Im Erbfall kamen ihr große Teile dieser sogenannten „Radziwill'schen Masse" zu.

Die Betrachtung des Gemäldes auf der linken Seite ist eine wahre Freude, da es sich dabei um ein ausgesprochen liebliches Bild handelt, das die spätere Fürstin Marie zusammen mit ihrem Bruder Peter als Kinder beim Baden zusammen mit ihrer Stiefmutter Leonille, einer geborenen russischen Fürstin Bariatinsky (1816-1918), zeigt. Die Fürstin Leonille galt zu ihrer Zeit als eine der schönsten Frauengestalten in den Kreisen der europäischen Aristokratie. Beobachtet wird diese Szenerie aus dem Hintergrund von zwei neugierigen Ziegen. Maler war der Russe Brelow.

Der Deckenstuck besteht hier aus dichtem Bandelwerk und aus Putten, die als chinesische Bonzen verkleidet sind. Unter dem Hofschreiner Carl Maximilian Mattern entstanden um 1730/1740 die Bandelwerkpaneele sowie die geschnitzten Türfüllungen und Türrahmen.